...und nicht alle sind zuerst begeistert.
Es mag vielleicht überraschen: Bisher gab es auf unserem Betrieb keine festgelegten Arbeitspausen. Diese wurden individuell eingelegt – beispielsweise während der Fahrt im Transporter oder Personenwagen von einem Feld zum nächsten. Solche Übergangszeiten nutzte man für eine Raucherpause oder einen Toilettengang.
Seit dem 1. Januar dieses Jahres hat sich das geändert. Neu machen wir jeweils am Morgen und am Nachmittag feste Pausen von je 15 Minuten – sei es auf dem Feld, in den Rüsträumen oder in den Gewächstunneln.
Dieser Schritt ist ein bewusster Entscheid, den wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden getroffen haben. Interessanterweise begegneten einige dieser Neuerung zunächst mit Skepsis. Gerade im Sommer, wenn die Arbeitsmenge enorm ist, stellte sich die Frage: Wie soll das organisatorisch funktionieren?
Zweifellos bringt diese Regelung gewisse Herausforderungen mit sich. Dennoch überwiegen für uns klar die Vorteile. Die Pausen bieten vor allem die Möglichkeit, Körper und Muskeln gezielt zu entspannen. Viele Tätigkeiten auf unserem Betrieb erfolgen in gleichbleibenden Körperhaltungen – sei es beim Zwiebeln rüsten, beim Ernten von Freiland-Nüsslisalat oder beim Schneiden von Kohlrabi am Ernteband. Verspannungen lassen sich dabei kaum vermeiden, auch wenn sich der Körper mit der Zeit an die Belastung gewöhnt. Den Rücken strecken, die Finger bewegen, die Beine lockern – in unserem Arbeitsalltag erfüllen Pausen eine besonders wichtige Funktion.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die gegenseitige Motivation. Die gemeinsamen Auszeiten schaffen Raum für Gespräche, einen Kaffee und neue Energie. Auch wir als Betriebsleitende nehmen uns Zeit, dazuzustossen. Daraus entstehen wertvolle Gespräche und Einsichten, die die Zusammenarbeit stärken.
Nicht zuletzt sind die festen Pausen ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber unserer gesamten Crew. Denn Hand aufs Herz: Gemüse zu produzieren – und vor allem zu ernten – ist oft körperlich anspruchsvolle Arbeit. Umso wichtiger sind Momente des Innehaltens.
Roman Käser
Gemüsegärtner, Technik, Anbau & Pflege