Warum wir beim Bewässern keinen Tropfen verschwenden
Sobald bei uns die Jungpflanzen gesetzt sind, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit – insbesondere während der warmen und trockenen Jahreszeit. Vor allem Salate, Peterli und Stangensellerie benötigen dann innerhalb von ein bis zwei Stunden Wasser. Andernfalls vertrocknen sie. Würden wir beispielsweise erst nach drei Stunden bewässern, könnten bis zu 30 Prozent der Pflanzen verloren gehen.
Natürlich suchen wir laufend nach Lösungen, um solche Engpässe zu überbrücken. Das Verlegen von Schläuchen und Leitungen bedeutet stets einen erheblichen personellen Aufwand. Gerade in arbeitsintensiven Phasen, in denen jede Hand gebraucht wird, ist eine sorgfältige Einsatzplanung unserer Mitarbeitenden besonders wichtig.
Aus diesem Grund haben wir eines unserer Setzgeräte mit einem Wassertank ausgerüstet. Jede Pflanze erhält beim Einsetzen in den Boden einen Schluck Wasser. Dadurch ist sie für bis zu drei Tage ausreichend versorgt und kann diese kritische Phase gut überstehen. Diese Technik haben wir durch jahrelanges Tüfteln auf unserem Betrieb entwickelt und praxistauglich gemacht.
Die Bewässerung ist insgesamt mit einem grossen organisatorischen Aufwand verbunden. Ein Teil unserer Mitarbeitenden ist während der ganzen Nacht im Einsatz, um die Gemüsekulturen mit den benötigten Wassermengen zu versorgen. Dabei werden die Bewässerungsanlagen, Einsatzorte und Bewässerungszeiten laufend überwacht. Treten Probleme auf – beispielsweise Lecks in den Leitungen – werden diese umgehend behoben.
Wenn immer möglich bewässern wir nachts. Aufgrund der tieferen Temperaturen und der fehlenden Sonneneinstrahlung verdunstet deutlich weniger Wasser. Dadurch erreicht ein grösserer Anteil die Wurzeln, und für die gleiche Wirkung wird weniger Wasser benötigt. Gleichzeitig stehen die Pflanzen tagsüber oft unter Hitzestress. Die nächtliche Bewässerung hilft deshalb, ihren Wasserhaushalt stabil zu halten.
Nicht immer können wir diese Zeiten jedoch einhalten. Da wir einen grossen Teil unseres Wassers von den Gemeinden beziehen, müssen wir deren Vorgaben berücksichtigen. Manche Dörfer und Städte bevorzugen beispielsweise eine Bewässerung tagsüber. So bleibt sichergestellt, dass während der Hauptverbrauchszeiten der Bevölkerung – in der Regel morgens und abends – genügend Wasserreserven für die öffentliche Versorgung zur Verfügung stehen.
Wichtig ist dabei auch zu wissen: Während nahezu das gesamte Wasser, das in Haushalten verbraucht wird, einer Kläranlage zugeführt werden muss, versickert überschüssiges Wasser aus der Pflanzenbewässerung im Boden und gelangt sauber zurück ins Grundwasser. Das Wasser wird also nicht verschwendet, sondern bleibt Teil des natürlichen Wasserkreislaufs.
Roman Käser
Gemüsegärtner, Technik, Anbau & Pflege